News-Archiv Mai 2009

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10. Schweriner Schlossfest: Historie trifft Moderne - "Tag des offenen Schlosses" im Landtag vom 12. bis 14. Juni

Region Schwerin | 22.05.2009 - 12:14:57

Schwerin/MVticker. Altertümliches Kunsthandwerk, opulente Hofgarderobe aus dem 19. Jahrhundert und ein Blick hinter die Kulissen der heutigen Landtagsarbeit: Das traditionelle Schweriner Schlossfest lädt vom 12. bis 14. Juni rund um das Wahrzeichen der Landeshauptstadt zu einer spannenden Zeitreise bis in die Gegenwart ein. 
Bereits am Freitag beginnt das bunte Treiben vor der Siegessäule. Auf dem Kunst- und Handwerkermarkt, den die Stadtmarketing Gesellschaft Schwerin bis zum Sonntag veranstaltet, bieten mehr als 30 Händler ihre Waren feil. Neben kulinarischen Köstlichkeiten, Holzkunst und Drechselarbeiten, handgefertigter Keramik oder Schmuck aus Naturmaterialien finden sich hier auch Produkte der Glasmalerei, Textiles und Münzen. Vor Ort lassen sich die Handwerker bei der Fertigung von Kaligraphien, Urkunden oder der Fossilpräparation über die Schulter schauen - und Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht. So führt der Geologe Tjard M. Kusche beispielsweise das "Drusenknacken" vor. Hierbei werden jahrtausendealte Achate mit einem Spezialgerät geöffnet, sodass deren verborgene Edelsteine zum Vorschein kommen. 
 
Festumzug und höfisches Leben 
Sonnabends wird am Rad der Zeit gedreht: Das historische Schlossfest entführt die Gäste in das 19. Jahrhundert, als Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin die Geschicke der Region lenkte. Los geht es am Schweriner Hauptbahnhof. Hier trifft um 10.25 Uhr ein Sonderzug mit historischer Lok ein. Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider und Schwerins Stadtpräsident Stephan Nolte eröffnen offiziell das Schlossfest, bevor sich ein pompöser Festumzug von hier aus in Richtung Schloss in Bewegung setzt. Dann sind wie einst die Straßen gesäumt von Schaulustigen, die dem farbenfrohen Tross aus höfischen Bediensteten, Bürgern im Sonntagsstaat und allen voran, in einer prächtigen Kutsche sitzend, dem Großherzog und seiner Gattin Marie zujubeln. Den Blaublüter in originalgetreuer Uniform, geschmückt mit Orden, Epauletten und Banderole, verkörpert Mathias Schott, der auch dem Verein der Freunde des Schweriner Schlosses vorsitzt. Die gemeinnützige Organisation sorgt in Kooperation mit dem Schlossmuseum für eine spannende Zeitreise in das Leben am Schweriner Hofe. Unter dem diesjährigen Motto "Friedrich Franz II. trifft..." empfängt der mecklenburgische Herrscher seinen Onkel, König Friedrich Wilhelm von Preußen, den Leibarzt Carl Mettenheimer, der ihn um Entlassung ersucht oder einen russischen Unterhändler, welcher einen Heiratsvertrag für seine Tochter Marie mit dem Großfürsten Wladimir aushandelt. Auch den Alltagsproblemen muss sich der Großherzog stellen: Ein kostbares Tuch kam im großherzoglichen Theater abhanden, Krankenhausbetten und die Lockerung der Zunftbestimmungen werden gefordert, eine landwirtschaftliche Versuchsstation gilt es einzurichten, ein Garderobenmädchen kämpft um seine Ehre. Dazu wird in den Wohn- und Festräumen des Schlosses aus alten Zeitungen gelesen, über Hofinstruktionen berichtet, Schreittänze und die Fächersprache vorgeführt sowie die farbenprächtige und ausladende Mode der damaligen Zeit in einer Schau präsentiert. 
 
Neues Leben alter Stücke 
"Trifft der Herzog?" bezieht sich indes auf einen aufschlussreichen und kurzweiligen Einblick in die Kulturgeschichte der Jagd, den das Museum Schloss Schwerin am Sonnabend ermöglicht. In der Hofdornitz, der früheren Waffenhalle, wird angesichts der reich bestückten Sammlung historischer Jagd- und Prunkwaffen augenzwinkernd dieser Frage nachgegangen. Die Veranstaltung "Personal grüßt lautlos, wird aber nicht gegrüßt" macht die Besucher mit dem nicht immer einfachen Schattenleben der zu Zeiten von Friedrich Franz II. nahezu 600 Hofbediensteten bekannt. Geschichte wird an dem Tag auch für die Jüngsten greifbar: Im Kinderzentrum dreht sich diesmal alles um die höfische Mode. Unter professioneller Anleitung können kleine Besucher Kostüme erfinden, modische Accessoires basteln und sich selbst in Prinzessinnen und Prinzen verwandeln. Die Einnahmen des Tages - Gäste zahlen trotz der zahlreichen Veranstaltungen nur den regulären Eintrittspreis für das Schlossmuseum, kommen dem Schlossverein zugute, der mit dem Erlös weitere Ausstattungsstücke für die Museumsräume erwirbt. 
 
Offene Landtagstüren 
Am Sonntag beginnt die Reise in die Gegenwart. Der "Tag des offenen Schlosses" steht ganz im Zeichen der heutigen Nutzung als Sitz des Landtages Mecklenburg-Vorpommern. Von 10 bis 17 Uhr können Gäste sonst nicht öffentlich zugängliche Bereiche des Schlosses wie den Plenarsaal, das Ältestenratszimmer oder das NDR-Landtagsstudio besichtigen. Auch die Türen zum Büro von Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider stehen offen. In den ehemals "Hessischen Kammern" - damals eine Gästewohnung - empfängt die Präsidentin heute Minister, Botschafter und andere Protokollgäste. In den Konferenzräumen berichten Parlamentarier über ihre Arbeit in den Fachausschüssen des Landtages. Fragen zu Wirtschaft oder Bildung, zur Sozial- oder Europapolitik werden individuell beantwortet. Zu Gesprächen stehen darüber hinaus der Bürgerbeauftragte des Landes und der Landesbeauftragte für den Datenschutz zur Verfügung. In öffentlichen Diskussionen erörtern Gesprächspartner aus Politik und Gesellschaft die Themen "20 Jahre Mauerfall", "60 Jahre Grundgesetz  - 15 Jahre Landesverfassung Mecklenburg-Vorpommern" und "Sieben Gärten mittendrin - Bundesgartenschau 2009 in Schwerin". Über die Arbeit ihrer Abgeordneten können sich die Besucher auch im Innenhof des Schlosses informieren. Hier präsentieren sich alle Fraktionen des Landtags. Das landesweite Bündnis "WIR. Erfolg braucht Vielfalt" ist ebenfalls vor Ort. Die Initiative für ein demokratisches, freiheitliches und weltoffenes Mecklenburg-Vorpommern stellt gemeinsam mit Partnern wie der Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Nord oder dem Europäischen Integrationszentrum Rostock ihre Ziele und Aktivitäten vor.
 
Von Klassik bis Gassenhauer
Vor den Toren des Schlosses sind indes das ganze Wochenende weitere Attraktionen erlebbar: Das mecklenburgische Drehorgelorchester und das Landespolizeiorchester sind zu Gast und sorgen für festliche Atmosphäre. Die Schweriner Fechtgesellschaft und die Grabower Schützenzunft 1655 zeigen im Burggarten ihr Können. Der Kulturverein Sagenland e.V. veranstaltet sagenhafte Führungen auf der Schlossinsel. Und auf der Kleinkunstbühne vor der Siegessäule lädt die Schule der Künste zur Gestaltung eigener Insignien, dem Bemalen überlebensgroßer Holztierfiguren, oder zum kreativen Weiterschreiben von Ritter- und Prinzessinnengeschichten ein. Für Musik und Stimmung sorgen das Jazz-Ensemble der Partnerstadt Odense, die Klönköpps mit ihren Seemannsliedern sowie die Sängerinnen aus dem Rock-Pop-Projekt der Kunstschule. 
 


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