News-Archiv Oktober 2008

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Klare Botschaft der Lärmgegner auf Bürgerversammlung in Rerik: Der Flugplatz Zweedorf muss weg

Region Bad Doberan | 20.10.2008 - 00:19:01

Rerik/MVticker. Rund 70 Bürgerinnen und Bürger haben sich am Sonnabend im Gemeindehaus Rerik versammelt, um erneut über die Störungen durch den Flugplatz Rerik zu diskutieren. Geladen hatte der Verein "Wir am Salzhaff" gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Möglich wurde das mit kompetenten Referenten ausgestattete Bürgerforum durch die finanzielle Unterstützung der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE). 

 
Nach verschiedenen öffentlichkeitswirksamen Aktionen des Vereins "Wir am Salzhaff" und des BUND in den vergangenen Wochen vor dem Verkehrsministerium in Schwerin hatte die Protestbewegung gegen den Flugplatz wieder neuen Schwung erhalten. Zahlreiche Anwohner kämpfen bereits 16 Jahre gegen die Fortführung des Flugbetriebs in einer touristisch attraktiven Region, die besonders auch für den Naturschutz eine herausragende Bedeutung besitzt.
 
René Wiggers, Vorsitzender des Vereins "Wir am Salzhaff" stellte aufgrund andauernder Lärmbelästigung durch die Flugzeuge des Flugplatzes klar:
 
"Unsere Lebensqualität hat durch diesen Flugbetrieb enorm gelitten. Zahlreiche Mitglieder unseres Vereins verzeichnen zudem wirtschaftliche Einbußen, weil die Gäste ihrer Pensionen und Hotels genervt die Region verlassen. Gespräche und Verhandlungen haben in den vergangenen Jahren nichts gebracht. Das werden wir nicht länger dulden. Unser Ziel ist klar: Der Flugplatz muss weg!"
 
Der Biologe Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND machte mit seinem Vortrag auf einen weiteren Aspekt des Flugbetriebs aufmerksam. Der Flugplatz Zweedorf befindet sich unmittelbar am Rand des EU-Vogelschutzgebietes "Küstenlandschaft Wismarbucht". Immer öfter müssen ortsansässige Vogelkundler die Störung sensibler Rast- und Ruheräume für Vögel durch tief fliegende Flugzeuge feststellen. Große Vogelschwärme werden zum Aufsteigen gezwungen, Brutaktivitäten werden gestört. Erstmals blieb in diesem Jahr der Seeadler, der als Nahrungsgast regelmäßig am Salzhaff zu beobachten war, aus.
 
Arndt Müller vom BUND:
"Der Flugplatz Zweedorf wurde noch nie auf seine Verträglichkeit mit den Naturschutzzielen, die in der Wismarbucht verfolgt werden, geprüft. Jede Hotelanlage, jeder Bootshafen in oder an einem derart bedeutenden Schutzgebiet muss diese Verträglichkeit nachweisen. Deshalb dringen wir angesichts der Ausbaupläne des Bad Schwartauer Geschäftsmanns Jürgen Steinfeldt, der den Flugplatz zu einem 'Airpark' mit Ferienhausanlage entwickeln will, auf eine umfassende Prüfung, ob der Flugbetrieb mit den Schutzzielen des EU-Vogelschutzgebietes Wismarbucht kollidiert."
 
Zu einer regen Diskussion unter den Besuchern der Bürgerversammlung -- unter ihnen auch Flugplatzbetreiber Jörg Müller -- führte der Beitrag von Rechtsanwalt Karsten Sommer aus Berlin, der als Spezialist für Luftverkehrsrecht vom BUND zu der Veranstaltung geladen worden war und der sich kurz zuvor selbst von den störenden Geräuschen des Flugbetriebs überzeugen konnte. Er bestärkte die Flugplatzgegner darin, ihre Interessen beharrlich zu vertreten, berichtete von ähnlichen Konflikten aus anderen Bundesländern und zeigte weitere notwendige Schritte im Kampf gegen die permanente Lärmbelästigung auf.
 
Die Brisanz der Auswirkungen des Flugbetriebs zeigte die Wortmeldung eines Touristen aus den Niederlanden, der sich angesichts gewagter Flugmanöver und ungewöhnlicher Motorengeräusche der vom Flugplatz Zweedorf startenden Maschinen nicht mehr sicher fühlte und seine Ferienaufenthalt verlegen wird. Die Mehrheit der anwesenden Bürgerinnen und Bürger war sich auch an diesem Abend einig, dass diese Entwicklung nicht weiter geduldet werden dürfe.
 
Die erfolgreiche Veranstaltung im Reriker Gemeindehaus endete mit einem Wermutstropfen. So wurden die Anwesenheitslisten, in die sich die Besucher der Veranstaltung mit ihren Adressangaben und Telefonnummern eingetragen hatten, gestohlen. Die Veranstalter erstatteten Anzeige gegen Unbekannt.
 


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