News-Archiv Januar 2012

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Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider: Eintreten für die Menschenwürde bleibt Verpflichtung

Mecklenburg-Vorpommern | 27.01.2012 - 12:05:17

Schwerin/MVticker. Am heutigen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar 2012) hat Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider die Bedeutung des Respekts vor der Menschenwürde als Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens hervorgehoben. Politischen Strömungen, welche die Ungleichwertigkeit von Menschen propagierten, müsse entschieden entgegengetreten werden. Dies sei angesichts der Gräueltaten in den Vernichtungslagern und an den Fronten des Weltkrieges eine Pflicht der heutigen Generation, sagte Sylvia Bretschneider während der Gedenkstunde des Landtages Mecklenburg-Vorpommern im Festsaal des Schweriner Schlosses.
 
Sylvia Bretschneider:
„Diese absurde Überzeugung von der Ungleichwertigkeit von Menschen ist tief verwurzelt. Sie war der Grund für zahlreiche Kriege und noch heute ist diese Vorstellung der Ursprung von Neid, Hass und Gewalt auf dieser Welt. Die Einsicht, dass alles Leben, gleichwohl welchen Erscheinungsbildes, gleichwohl welcher Ausprägung überall auf der Welt ein Recht auf Leben und ein Recht auf Unversehrtheit besitzt, bleibt ein Ziel, für das zu kämpfen unsere Pflicht ist.“
 
Die Gedenkrede sprach Erich Kary aus Ludwigslust. Der heute 87-Jährige ist Zeitzeuge und Überlebender des Holocaust. Während der Gedenkstunde wurde der Opfer des Nationalsozialismus mit einer Schweigeminute gedacht.
 
Sylvia Bretschneider: „Der 27. Januar widmet sich allen Opfern von 12 Jahren nationalsozialistischer Diktatur. Die Erinnerung an sie wach zu halten, das ist das Mindeste, was wir heute für sie tun können. Wir erinnern an die Kinder, an die Frauen und an die Männer - Menschen, die in der verblendeten Ideologie der Nationalsozialisten andersartig waren und deshalb geächtet, misshandelt und ermordet wurden.“ Die Landtagspräsidentin beschrieb unter Hinweis auf die im Konzentrationslager Auschwitz begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrer Rede die fundamentale Bedeutung des ersten Artikels des Grundgesetzes, der den Schutz der Menschenwürde festschreibt. Sie erinnerte dabei auch an die Menschen, die sich damals „in ihrer Achtung der Menschenwürde niemals beirren ließen.“ Auch stellte sie bezogen auf menschverachtendes Gedankengut Bezüge zur Gegenwart her.
 
Sylvia Bretschneider: „Die im vergangenen Jahr bekannt gewordene grausame Serie von Morden und Anschlägen einer neonazistischen Verbrecherbande führt uns erneut vor Augen, wozu Fremdenfeindlichkeit und Hass führen können. Die geistigen Wurzeln reichen in die Zeit des Nationalsozialismus zurück und werden in der Programmatik der NPD wiederbelebt. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, in der Gesellschaft für Frieden, Demokratie und Toleranz zu werben und zugleich aktiv für die Grundwerte unserer Landesverfassung einzustehen. Demokratie ist der beste Garant für Frieden und Freiheit. Die Politik kann diese Aufgabe nicht allein bewältigen – hier müssen alle demokratischen Kräfte zusammenwirken. Jede und jeder Einzelne ist an seinem Platz gefordert – ob in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder im Verein.“
 
Bei der vom Landtag Mecklenburg-Vorpommern ausgerichteten Gedenkfeier musizierten unter der Leitung von Volker Ahmels, Leiter des Zentrums für verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, Preisträger des internationalen Wettbewerbs "Verfemte Musik Schwerin 2011". Unter den geladenen Gästen befanden sich auch 40 Schülerinnen und Schüler aus Ludwigslust und Schwerin. Weiterer Ehrengast der Gedenkstunde war Dr. Eva Fox-Gál, Tochter des Komponisten Hans Gál, aus dessen Werk musikalische Auszüge zu hören waren.


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